


Hier findest du Gedanken und praktische Impulse rund um Geschäftsideen, Startups und Selbständige.
Hier findest du Gedanken und praktische Impulse rund um Geschäftsideen, Startups und Selbständige.
Im letzten Beitrag haben wir uns angeschaut, was einer Selbständigkeit ganz konkret im Weg stehen kann.
Finanzielle Unsicherheit. Bürokratie. Fehlendes Kapital. Oder schlicht eine Lebenssituation, in die eine Gründung gerade ungefähr so gut hineinpasst wie ein Klavier in einen Fiat 500.
Das sind reale Hindernisse.
Aber was ist, wenn man all diese Punkte anschaut und eigentlich keinen wirklichen Grund findet, der dagegen spricht?
Die Idee ist da.
Die Voraussetzungen wären grundsätzlich vorhanden.
Eigentlich könnte man anfangen.
Und trotzdem passiert nichts.
Dann lohnt sich ein Blick auf eine andere Art von Bremse.
Denn nicht alles, was uns vom Anfangen abhält, kommt von aussen.
Manchmal stehen wir uns auch selbst im Weg.

Wahrscheinlich einer der Klassiker.
Du investierst Zeit, vielleicht Geld, erzählst anderen von deiner Idee und dann funktioniert sie nicht.
Natürlich kann das passieren.
Auch das beste Konzept der Welt kann dir nicht garantieren, dass ein Unternehmen erfolgreich wird. Wäre das möglich, gäbe es vermutlich deutlich mehr sehr entspannte Unternehmer.
Was man aber tun kann, ist die Voraussetzungen möglichst gut zu gestalten.
Eine Idee prüfen. Den Markt anschauen. Mit potenziellen Kunden sprechen. Kosten berechnen. Herausfinden, ob überhaupt ein Bedarf besteht.
Das macht aus einer Geschäftsidee noch keine sichere Sache.
Aber aus
„Ich hoffe einfach mal, dass das funktioniert.“
wird zumindest:
„Ich habe ziemlich gute Gründe anzunehmen, dass es funktionieren könnte.“
Und das ist schon ein Unterschied.
Das Ziel muss also nicht sein, das Scheitern unmöglich zu machen.
Das dürfte schwierig werden.
Aber man kann versuchen, nicht völlig blind loszulaufen.
Eine Geschäftsidee im eigenen Kopf zu haben, ist angenehm.
Dort kann sie ziemlich ungestört existieren.
Schwieriger wird es, wenn andere Menschen davon erfahren.
Plötzlich gibt es Meinungen.
Was, wenn jemand die Idee lächerlich findet?
Was, wenn Bekannte darüber reden?
Was, wenn ich mich sichtbar mache und niemand interessiert sich dafür?
Oder noch schlimmer:
Was, wenn jemand tatsächlich etwas kauft und danach nicht zufrieden ist?
Irgendwann wird wahrscheinlich auch das passieren.
Eine Reklamation. Eine schlechte Bewertung. Ein Kommentar, der trifft. Vielleicht auch jemand, der dein Angebot schlicht ziemlich doof findet.
Willkommen auf dem Markt.
Man muss deshalb aber nicht am ersten Tag mit der grossen Kelle anrühren.
Eine Idee kann zunächst im kleinen Rahmen getestet werden. Sichtbarkeit kann langsam wachsen. Man kann ausprobieren, beobachten und nachjustieren.
Und mit der Zeit passiert häufig etwas Interessantes:
Was sich am Anfang riesig angefühlt hat, wird normaler.
Kritik wird vermutlich nie besonders angenehm. Aber auch dafür kann man lernen, wie man damit umgeht.
Der liebe Perfektionismus.

Er trägt allerdings selten ein Schild mit der Aufschrift:
„Hallo, ich bin Perfektionismus und halte dich gerade vom Starten ab.“
Er klingt eher so:
Die Website ist noch nicht ganz fertig.
Das Angebot müsste ich noch einmal überarbeiten.
Ich sollte mich vorher noch etwas besser einlesen.
Das Logo gefällt mir noch nicht hundertprozentig.
Und schwupps sind drei Monate vergangen und die Geschäftsidee hat inzwischen eine wunderschöne Schriftart, aber noch keinen einzigen Kunden gesehen.
Natürlich sollte man nicht völlig unvorbereitet starten.
Aber zwischen gut vorbereitet und perfekt liegt ziemlich viel Zeit.
Hier gefällt mir das Pareto-Prinzip:
Ein grosser Teil des Ergebnisses lässt sich oft mit einem vergleichsweise kleinen Teil des Aufwands erreichen. Die letzten Feinheiten können dagegen erstaunlich viel Zeit verschlingen.
Und manche Dinge kann man vor dem Start ohnehin nicht wissen.
Ein Spitzensportler wartet schliesslich auch nicht mit seinem ersten Rennen, bis er garantiert Weltmeister wird.
Er trainiert. Startet. Sammelt Erfahrungen. Passt sein Training an. Wird besser.
Bei einer Selbständigkeit ist es ähnlich.
Man darf anfangen und unterwegs besser werden.
Website. Angebot. Preise. Buchhaltung. Social Media. Kundengewinnung. Positionierung. Logo. Strategie. Versicherungen.
Und natürlich braucht man dringend noch Visitenkarten.
Oder?
Wenn im Kopf alles gleichzeitig wichtig ist, passiert etwas ziemlich Praktisches:
Man macht irgendetwas.
Nur leider nicht unbedingt das, was einen tatsächlich weiterbringt.
Dann wird stundenlang an der Website geschraubt, obwohl noch gar nicht klar ist, was genau verkauft werden soll. Oder das Logo wird zum fünften Mal angepasst, während noch niemand mit einem potenziellen Kunden gesprochen hat.
Das Problem ist dann nicht unbedingt fehlende Motivation.
Es fehlt eine Reihenfolge.
Was ist das Ziel?
Was muss zuerst geklärt werden?
Was kommt danach?
Und welche Dinge können problemlos noch drei Monate warten?
Ein klares Konzept kann hier ziemlich unspektakulär helfen.
Nicht, weil plötzlich alles einfach wird.
Sondern weil man wieder weiss, welchen Baum man als Nächstes anschauen sollte, statt vor dem ganzen Wald zu stehen.
Diese Frage kann erstaunlich hartnäckig sein.
Andere haben mehr Erfahrung. Mehr Wissen. Einen besseren Lebenslauf. Sie treten souveräner auf. Und überhaupt scheinen alle anderen ziemlich genau zu wissen, was sie tun.
Kleine Randbemerkung:
Tun sie nicht.
Bei einer Anstellung gibt es zumindest jemanden, der dich eingestellt und damit gewissermassen bestätigt hat:
Ja. Wir glauben, dass du diesen Job kannst.
In der Selbständigkeit musst du irgendwann selbst entscheiden, dass das, was du kannst, gut genug ist, um es anderen anzubieten und dafür auch noch Geld zu verlangen.
Das kann ungewohnt sein.
Natürlich gibt es Dinge, für die Fachwissen, Erfahrung oder eine bestimmte Ausbildung notwendig sind. Nicht jede Unsicherheit ist unbegründet.
Aber auch hier lohnt sich die konkrete Frage:
Was fehlt mir tatsächlich?
Vielleicht fehlt wirklich Wissen. Dann kann man es sich aneignen oder jemanden dazuholen.
Vielleicht fehlt Erfahrung. Die bekommt man allerdings nur sehr schwer, ohne irgendwann anzufangen.
Und manchmal fehlt vor allem die Gewissheit, dass man es kann.
Die gibt es leider nicht als Zertifikat vor der ersten Rechnung.
Wir sprechen häufig über die Angst davor, dass eine Geschäftsidee nicht funktioniert.
Es gibt aber noch eine andere interessante Frage:
Was, wenn sie funktioniert?
Was, wenn plötzlich mehrere Kunden kommen?
Was, wenn Entscheidungen getroffen werden müssen?
Was, wenn jemand reklamiert?
Was, wenn du Verantwortung für Geld, Aufträge oder irgendwann sogar Mitarbeitende trägst?
Und was, wenn du irgendwann merkst:
Das wird mir gerade tatsächlich zu viel.
Auch diese Sorge muss man nicht einfach wegreden.
Eine Selbständigkeit kann überfordern.
Aber sie muss nicht zwingend vom ersten Tag an auf voller Leistung laufen.
Man kann klein anfangen, Erfahrungen sammeln und Strukturen mitwachsen lassen. Und wenn man merkt, dass etwas zu viel wird, kann man Unterstützung holen, Abläufe verändern oder bewusst Grenzen setzen.
Überforderung entsteht normalerweise nicht innerhalb von zwei Minuten aus dem Nichts.
Oft gibt es vorher ziemlich viele Hinweise.
Die Kunst besteht eher darin, sie nicht konsequent zu ignorieren.
Und manchmal sieht eine Blockade gar nicht wie eine Blockade aus.
Die wenigsten Menschen sitzen morgens am Küchentisch und denken:
„Heute werde ich aufgrund meiner Angst vor dem Scheitern meine Geschäftsidee vermeiden.“
Es klingt eher so:
Ich muss erst noch meine Website fertig machen.
Ich recherchiere noch ein bisschen.
Mein Angebot ist noch nicht ganz rund.
Diesen Monat habe ich wirklich keine Zeit.
Ich fange an, sobald …
Und all diese Aussagen können vollkommen stimmen.
Manchmal sind sie aber auch eine ausgesprochen praktische Möglichkeit, noch nicht den Schritt machen zu müssen, der sich unangenehm anfühlt.
Vielleicht lohnt es sich deshalb gelegentlich zu fragen:
Muss ich das wirklich zuerst erledigen oder fühlt es sich einfach angenehmer an als das, was eigentlich als Nächstes dran wäre?
Ja, innere Blockaden gibt es.
Und sie können sich ziemlich real anfühlen.
Ich werde dir jetzt allerdings nicht empfehlen, dich jeden Morgen vor den Spiegel zu stellen und dreimal „Ich bin Unternehmer“ zu sagen.
Nicht jede Angst lässt sich wegdenken. Und nicht jede Unsicherheit verschwindet, bevor man anfängt.
Aber man muss auch nicht warten, bis man vollkommen angstfrei, selbstsicher und bereit ist.
Vieles lässt sich zunächst im Kleinen ausprobieren. Manches wird klarer, sobald ein Konzept vorhanden ist. Für anderes kann man sich Unterstützung holen.
Und einiges verliert tatsächlich erst dann seinen Schrecken, wenn man es ein paar Mal gemacht hat.
Vielleicht geht es deshalb gar nicht darum, keine inneren Bremsen mehr zu haben.
Sondern darum herauszufinden:
Welche steht bei mir gerade auf der Bremse und muss sie wirklich bestimmen, wohin die Reise geht?