


Hier findest du Gedanken und praktische Impulse rund um Geschäftsideen, Startups und Selbständige.
Hier findest du Gedanken und praktische Impulse rund um Geschäftsideen, Startups und Selbständige.

Im letzten Beitrag haben wir uns mit dem Motor beschäftigt: Warum wollen Menschen sich überhaupt selbständig machen?
Dieses Mal schauen wir darauf, was von aussen im Weg stehen kann.
Denn eine Geschäftsidee haben und sie tatsächlich umsetzen, sind bekanntlich zwei verschiedene Paar Schuhe.
Viele Menschen können sich eine Selbständigkeit vorstellen. Trotzdem bleibt es bei einem Teil beim Gedanken daran. Das hat nicht unbedingt etwas mit Faulheit, fehlendem Ehrgeiz oder einer schlechten Idee zu tun.
Manchmal stehen zwischen „Das würde ich eigentlich gerne machen“ und „Ich mache es“ erstaunlich viele Dinge.
Sicherheitsbedürfnis, Bürokratie und fehlendes Kapital gehören zu den wichtigen Hemmnissen einer Gründung.
Schauen wir also einmal, was da eigentlich im Weg steht – und wie gross diese Hürden wirklich sind.
Bremse Nr. 1: Ich brauche Sicherheit!
Ein fester Lohn hat etwas ausgesprochen Beruhigendes.
Man weiss ungefähr, was Ende Monat auf dem Konto landet. Rechnungen lassen sich planen. Ferien auch. Und sofern nicht plötzlich etwas ziemlich schiefläuft, kommt nächsten Monat wieder Geld.
Bei einer Selbständigkeit sieht das anders aus, gerade am Anfang.
Wie schnell kommen die ersten Kunden? Wie regelmässig sind die Einnahmen? Welche Kosten entstehen? Und funktioniert die Idee überhaupt so, wie man sich das vorgestellt hat?
Das sind keine eingebildeten Sorgen. Eine Selbständigkeit bringt finanzielle Unsicherheit mit sich.
Aber zwischen
„Es gibt ein finanzielles Risiko.“
und
„Ich kann erst anfangen, wenn dieses Risiko verschwunden ist.“
liegt ein ziemlich grosser Unterschied.
Denn vollständige Sicherheit wirst du vor einer Gründung kaum bekommen. Du kannst die Unsicherheit aber kleiner machen.
Rechnen. Die Idee testen. Kosten kennen. Rücklagen bilden. Klein anfangen. Oder zunächst nebenberuflich starten.
Die entscheidende Frage ist deshalb vielleicht nicht:
„Kann ich sicher sein, dass es funktioniert?“
Sondern:
„Wie kann ich das Risiko so gestalten, dass es für mich tragbar wird?“
Und plötzlich wird aus einer ziemlich grossen, diffusen Hürde etwas, das man sich Stück für Stück anschauen kann.
Bremse Nr. 2: Hilfe, Bürokratie!
AHV. Versicherungen. Steuern. Rechtsform. Buchhaltung. Bewilligungen. Verträge.
Und irgendwo hat bestimmt noch jemand ein Formular versteckt.
Wer sich zum ersten Mal mit einer Selbständigkeit beschäftigt, kann schnell den Eindruck bekommen, dass man zuerst ein halbes Verwaltungsstudium absolvieren muss.
Ganz aus der Luft gegriffen ist das nicht. Je nachdem, was du vorhast, gibt es Vorschriften, Bewilligungen, Versicherungen oder andere Pflichten, mit denen du dich auseinandersetzen musst.
Aber nicht jede Selbständigkeit bringt denselben bürokratischen Aufwand mit sich.
Ob du beispielsweise eine Dienstleistung anbietest oder ein Geschäft mit Räumlichkeiten, Mitarbeitenden und bewilligungspflichtigen Tätigkeiten eröffnest, macht einen ziemlich grossen Unterschied.
Deshalb lohnt es sich, nicht einfach „Bürokratie“ als einen riesigen Block vor sich zu sehen, sondern erst einmal herauszufinden:
Was betrifft mein Vorhaben tatsächlich?
Und was davon muss ich jetzt schon erledigen und was vielleicht erst später?
Bei Dingen, die Fachwissen benötigen, darf man sich ausserdem Unterstützung holen. Man muss nicht persönlich zum Steuerberater, Juristen, Buchhalter und Versicherungsfachmann mutieren, nur weil man sich selbständig macht.
Man muss nur wissen, wann man einen davon braucht.
Bremse Nr. 3: Ich habe nicht genug Geld
Auch das kann ein völlig berechtigter Einwand sein.
Nicht jede Geschäftsidee lässt sich mit einem Laptop und einer Kaffeemaschine starten.
Wer Maschinen, Räume, Waren, Fahrzeuge oder Personal braucht, benötigt möglicherweise tatsächlich einiges an Kapital.
Aber auch hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen:
Wie viel Geld brauche ich wirklich, um anzufangen?
Nicht: Wie viel brauche ich für die perfekte Version meines zukünftigen Unternehmens?
Sondern: Wie viel brauche ich für den ersten sinnvollen Schritt?
Vielleicht lässt sich die Idee zunächst in kleinerem Rahmen testen. Vielleicht kannst du nebenberuflich anfangen. Vielleicht gibt es Finanzierungsmöglichkeiten. Vielleicht brauchst du weniger, als du zunächst gedacht hast.
Oder du stellst beim Rechnen fest:
Nein. Momentan reicht es tatsächlich nicht.
Auch das ist eine wichtige Erkenntnis.
Denn zwischen
„Ich brauche 80'000 Franken und habe sie nicht.“
und
„Ich glaube, für eine Selbständigkeit braucht man viel Geld.“
liegt ein entscheidender Unterschied.
Das eine ist ein konkretes Problem. Das andere zunächst eine Annahme.
Und mit einem konkreten Problem lässt sich wesentlich besser arbeiten.
Bremse Nr. 4: Gerade passt es einfach nicht
Manchmal ist die Idee gut. Das Geld wäre vielleicht sogar irgendwie machbar. Und trotzdem ist gerade schlicht nicht der richtige Zeitpunkt.
Vielleicht sind die Kinder noch klein. Ein Umzug steht an. Du pflegst einen Angehörigen. Dein Partner oder deine Partnerin befindet sich beruflich gerade in einer unsicheren Situation. Oder dein Leben hat beschlossen, dir gleichzeitig ungefähr sieben andere Baustellen vor die Füsse zu werfen.
Eine Selbständigkeit braucht nicht nur Geld. Sie braucht auch Zeit, Energie und einen gewissen Platz im eigenen Leben.
Und manchmal ist dieser Platz gerade einfach nicht da.
Das bedeutet nicht automatisch, dass du deine Idee begraben musst.
Vielleicht kannst du sie kleiner starten. Vielleicht kannst du bereits einzelne Dinge vorbereiten oder ausprobieren. Vielleicht ist aber auch die vernünftigste Entscheidung:
Jetzt nicht.
Das ist etwas anderes als:
Nie.
Nicht jedes Hindernis muss sofort aus dem Weg geräumt werden. Manchmal lohnt es sich, eine Idee eine Weile liegen zu lassen und wieder hervorzuholen, wenn die Rahmenbedingungen besser passen.
Manchmal ist nicht die Idee falsch. Sondern einfach der Zeitpunkt.
Die Gründe, eine Selbständigkeit nicht zu starten, können also sehr konkret sein. Und nicht jede Hürde lässt sich einfach aus dem Weg räumen. Manchmal braucht es Geld, manchmal Zeit, manchmal Wissen und manchmal ist tatsächlich nicht der richtige Zeitpunkt.
Aber was ist, wenn man all diese Punkte anschaut und eigentlich keinen wirklichen Grund findet, der dagegen spricht?
Vielleicht ist genügend Sicherheit da.
Die Bürokratie wäre machbar.
Das nötige Geld ebenfalls.
Und eigentlich wäre sogar Platz im Leben dafür.
Und trotzdem passiert nichts.
Warum?
Genau da wird es interessant. Denn nicht alles, was uns vom Anfangen abhält, kommt von aussen.
Darum geht es im nächsten Beitrag.