


Hier findest du Gedanken und praktische Impulse rund um Geschäftsideen, Startups und Selbständige.
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Die Mitarbeitenden tanzen, der Chef macht sich zum Affen und die Lernende muss den neuesten TikTok-Trend nachspielen.
100'000 Aufrufe. Tausende Likes. Läuft doch hervorragend.
Oder?
Immer mehr Unternehmen setzen auf lustige Kurzvideos. Zahnarztpraxen, Gemeinden, Handwerksbetriebe und sogar Unternehmen, die hauptsächlich andere Unternehmen beliefern.
Aber was bringt diese Form der Unterhaltung eigentlich?
Bei den Oldenburger Zahnärzten lässt sich gut beobachten, wie persönliche und humorvolle Videos funktionieren können.
Man sieht immer wieder dieselben Mitarbeitenden, bekommt Einblicke in den Praxisalltag und hat irgendwann beinahe das Gefühl, die Menschen bereits zu kennen.
Gerade bei einem Zahnarztbesuch, bei dem Vertrauen eine wichtige Rolle spielt, kann das durchaus einen Unterschied machen.
Ähnliches sieht man bei Coiffeuren, deren Bekanntheit über soziale Medien so gross wird, dass Kunden teilweise lange Anfahrtswege in Kauf nehmen.
Hier wird nicht einfach nur Unterhaltung produziert. Es entsteht eine persönliche Verbindung, die eine spätere Entscheidung beeinflussen kann.
Wie viele Zuschauer tatsächlich zu Kunden werden, bleibt allerdings offen.
Anders sieht es bei Unternehmen aus, deren einzelne Trendvideos viral gehen, während andere Beiträge kaum Beachtung finden.
Natürlich ist eine Million Aufrufe beeindruckend. Aber wie viele dieser Zuschauer gehören überhaupt zur Zielgruppe?
Ein regionaler Dienstleister braucht vor allem Menschen aus seinem Einzugsgebiet. Ein Unternehmen mit Geschäftskunden benötigt möglicherweise nur wenige passende Ansprechpartner.
Da können 2'000 Aufrufe bei den richtigen Menschen mehr wert sein als eine Million zufällige Zuschauer.
Allerdings kann Unterhaltung auch andere Ziele erfüllen: Eine Pflegeschule könnte damit junge Menschen für einen Beruf begeistern. Eine Digitalagentur kann durch erfolgreiche Videos zeigen, dass sie Aufmerksamkeit erzeugen kann.
Die gleiche Kommunikationsform kann also völlig unterschiedliche Wirkungen haben.
Was denkst du, wie viel ein Unternehmen für seine lustigen Kurzvideos ausgibt?
Nehmen wir an, ein Unternehmen veröffentlicht drei Videos pro Woche. Für Ideen, Vorbereitung, Dreharbeiten, Schnitt und Veröffentlichung werden jeweils drei Arbeitsstunden benötigt.
Bei angenommenen Vollkosten von 55 Franken pro Arbeitsstunde ergibt das:
39 Arbeitsstunden pro Monat
2'145 Franken monatlich
25'740 Franken jährlich
Natürlich ist das eine rein hypothetische Beispielrechnung. Der tatsächliche Aufwand kann deutlich höher oder tiefer ausfallen.
Aber sie zeigt, dass auch vermeintlich kostenlose Unterhaltung Zeit und Geld kostet. Und wenn Mitarbeitende vor der Kamera stehen, fliesst auch deren Arbeitszeit in die Produktion.
Da darf man durchaus fragen: Was bekommt das Unternehmen dafür zurück?
Neue Kunden? Bewerbungen? Mehr Vertrauen oder Bekanntheit?
Oder hauptsächlich Menschen, die kurz lachen und weiterscrollen?
Die Anzahl der Aufrufe allein verrät uns das nicht.

Natürlich nicht.
Humor kann ein hervorragendes Mittel sein, um Menschen zu erreichen. Aber er ersetzt keine Kommunikationsstrategie.
Wer einfach den nächsten Trend nachmacht, weil andere damit erfolgreich sind, erreicht möglicherweise viele Menschen. Nur nicht unbedingt die richtigen.
Umgekehrt kann ein Unternehmen mit wenigen, gezielten Beiträgen genau jene Personen ansprechen, die für sein Angebot interessant sind.
Ich glaube deshalb nicht, dass lustige Unternehmensvideos grundsätzlich unnötig sind. Manche können ausgesprochen wirkungsvoll sein.
Problematisch wird es, wenn Aufmerksamkeit zum Selbstzweck wird und der Zusammenhang zum Unternehmensziel verloren geht.
Vielleicht muss der Zahnarzt tatsächlich nicht tanzen.
Vielleicht ist aber gerade sein humorvoller Auftritt der Grund, weshalb sich ein ängstlicher Patient erstmals in seine Praxis traut.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob ein Video lustig ist.
Sondern ob es die richtigen Menschen erreicht, etwas bewirkt und ob der Nutzen den Aufwand rechtfertigt.
Denn viral zu gehen ist schön.
Nur die Rechnung bezahlt sich nicht mit Likes.